Willkommen in der wunderbaren Welt der Märchen

magisch, berührend, verzaubernd
































Herzlich willkommen

Erinnerst du dich nicht auch, an die eine oder andere magische Erinnerung an Märchen aus deiner Kindheit? Bis heute haben sie nichts an ihrer Magie verloren, vielleicht haben wir einfach verlernt wieder zu zuhören.
Wir alle, Susanne, Barbara, Esther, Gisela und Brigitte haben die selbe Leidenschaft: das Erzählen von alt überlieferten Märchen. Kennengelernt haben wir uns bei «Mutabor», der Schule für Märchen- und Erzählkultur. Die Freude am Erzählen verbindet uns . Wir erzählen authentisch und mit grosser Leidenschaft.
Wer denkt Märchen seien altmodisch oder nur für Kinder, der irrt sich. Märchen besitzen eine unglaubliche Weisheit und Tiefe. Es erstaunt wenig, das sie auch in der heutigen Zeit sehr gut zutreffen.
Lass dich verzaubern und berühren von unseren Erzählungen. Besuche eine unserer Vorstellungen im Frühling oder im Herbst. Wir erzählen jeweils in Kirchberg und Port.
Herzlichst Susanne, Barbara, Esther, Gisela und Brigitte

Wir stellen uns vor…

Eure Erzählerinnen: Barbara, Brigitte, Esther, Gisela, Susanne

Barbara Isler

Nach meiner Pensionierung als Bio-Bäuerin wollte ich zu meinem Vergnügen die Märchenseminare bei Mutabor besuchen. Das Interesse , das ich schon immer an den Märchen hatte, wurde dadurch noch mehr geweckt, weil es immer Neues zu entdecken gibt, so dass ich inzwischen mit grosser Freude anderen Menschen von den entdeckten Schätzen weitergebe.

Brigitte Rasper

Und Märchen begleiten mich seit meiner Kindheit. Mit meinen Geschwistern haben wir sie gespielt, später habe ich sie meinen Kindern erzählt und nun hören meine Enkel fasziniert zu. Der Zauber der Märchen ist für mich zeitlos. Ihre Kraft und wunderbare Bildsprache sind Nahrung für die Seele.

Esther Cathrin Gertsch-Hostettler

Ich wohne im schönen Emmental. Es ist eine grosse Leidenschaft von mir, die Weisheiten der Märchen, in meinem urchigen Bern-deutsch zu erzählen. Es macht mich glücklich, meine Begeisterung für die Märchen anderen Menschen weiter zu geben.

Gisela Bolliger

Märchen lassen meine Seele weit werden, sie lassen sie fliegen. Sie erinnern mich an meine Träume. Ich verbringe gerne Zeit in
einer Welt, wo Zwerge, Feen, Könige und weise Frauen wohnen. Wo die Bäume in den Himmel wachsen und Menschen und Tiere sich verstehen. Im Spiegel der Märchen erkenne ich mich selbst. Die Sprache der Symbole verbindet Bewusstes mit Unbewusstem. Diese Nahtstelle fasziniert mich, in ihr schlummert Magie.

Susanne Känel

Die Märchen welche ich erzähle erklingen in Hochdeutsch. Meine Leidenschaft für die Märchen habe ich bei einer Radiosendung wieder entdeckt. Ist es nicht faszinierend, wie Märchen verzaubern können? Sie regen einen zum Träumen an oder bringen einen zum Lachen oder Weinen; manchmal erschrecken oder entzücken sie uns. Wenn man sein Herz öffnet, wird dieses berührt und die Fantasie beflügelt.

 

Märchenkostproben

Die Hör-Kostprobe

ziege

Ein Märchen über Mut und der List der Täuschung

Ein indisches Märchen welches über den Mut und List des Schwächeren handelt und parallelelen zum Selbstvertrauen zieht. Es motiviert, um aus der Schwäche den Blick auf das vermeintlich positive zu richten und sich selbst zu motivieren.

 

 

Die Ziege und der Löwe

von Erzählt von Susanne Känel | Märchen aus Indien

Die Seh- und Hör-Kostprobe

Die Lese-Kostprobe

Das Nikolausgeschenk

Märchen aus Friesland

Es war einmal eine reiche Bäuerin, die war sehr jung Witwe geworden.

 Zuerst wollte sie nichts davon wissen, wieder zu heiraten, denn sie befürchtete, dass die Heiratskandidaten eher von ihrem Geld und dem Bauernhof als von ihren hübschen blauen Augen angelockt würden.

 Sie betreute den Hof alleine mit einem Knecht, einem ruhigen, aber zuverlässigen jungen Mann, der nur ein paar Jahre jünger war als sie. Sie mochte ihn sehr gern, konnte übrigens auch schwer ohne ihn auskommen, und es kam soweit, dass sie ihn eigentlich wohl zu heiraten wünschte. Aber wie sollte sie ihm das deutlich machen? Sie als Frau konnte ihn schwerlich selbst fragen, und er liess sich nichts anmerken.

Nicht, dass er nicht wollte, aber dass ein Knecht sein Glück bei der Bäuerin versuchte, das kam damals in dieser Gegend überhaupt nicht vor. Sogar in seinen kühnsten Träumen würden ihm nie solche Gedanken gekommen sein.

Und so geschah nichts.

 Dann kam der Dezember. Da sagte die Bäuerin neckend zu dem Knecht, er sollte doch wie früher die Holzschuhe mal an den Kamin stellen. Es könne ja sein, dass Sankt Nikolaus heuer noch etwas für ihn im Sack habe.

Der Knecht hielt nichts davon; alles nur Unsinn. Aber sie redete so lange auf ihn ein, dass er schliesslich nachgab. Die Bäuerin war die Herrin, nicht wahr?

So kamen die Holzschuhe vor den Kamin.

 Als er am nächsten Morgen für eine Tasse Tee in die Küche kam, hatte er das alles schon vergessen – bis er seine Bäuerin sah:

 Die stand mehr als verlegen mit einem roten Kopf barfuss in seinen, ihr viel zu grossen, Holzschuhen.

 Sie brauchte jedoch nichts zu sagen. Er verstand den Wink, und acht Wochen später war er der Bauer.

Märchen aus Friesland
Aus: D. Jaenike, Wintermärchen, Mutabor Verlag 2011

 

Die Lese-Kostprobe zum 3 Advent

Wie die Christrose entstand

Mitten in der Heiligen Nacht, als der Engel den Hirten erschienen war, machten diese sich auf den Weg, um das göttliche Kind zu suchen. Jeder nahm ein Geschenk mit. Der eine Butter und Honig, ein anderer einen Krug mit Milch, Wolle vom Schaf und ein warmes Lammfell. Der jüngste Hirtenbub aber hatte nichts gefunden, das er hätte schenken können. Nun sass er da, wo der lichte Engel vorher gestanden hatte und seine Tränen fielen auf den Schnee, auf die gefrorene Erde, und da, wo sie hinfielen, wuchsen auf einmal seltsame Blumen empor, die der Hirtenjunge noch nie gesehen hatte.

Die zarten, weissen Blütenblätter schimmerten wie das Gewand des Engels und in der Mitte leuchtete ein goldener Kranz wie eine Krone. Voller Freude pflückte der Knabe ein paar von den Blumen, brachte sie freudestrahlend zum göttlichen Kind und legte sie ihm zu Füssen.

Seitdem blüht diese Blume jedes Jahr in der Weihnacht, und die Menschen nennen sie «Christrose».

Märchen: Volkslegende, Fassung Djamila Jaenike, in: Blumenmärchen, Mutabor Verlag, Lützelflüh 2014

 

Fröhliche Weihnachten

Das Weihnachtswunder

Im hohen Norden von Schweden sind die Winter manchmal besonders hart. So auch in dem Winter, vom ich euch erzählen möchte. Es ist sehr viel Schnee gefallen, der Wind hat meterhohe Schneeberge auf die Wege geweht. Die Kälte hat alle Flüsse zufrieren lassen. Die Dörfer sind von ihrer Umgebung abgeschnitten. Niemand traut sich mehr aus seinem Dorf heraus, denn die Wälder und Berge sind unzugänglich und gefährlich geworden. Der Hunger hat Wölfe und Bären aus ihren Höhlen herausgetrieben und sie streifen jetzt um einsame Gehöfte in der Hoffnung Nahrung zu finden.
Nun hat es sich gegeben, dass gerade bei solch einem abgelegenen Bauernhof das Mädchen einer Familie krank geworden ist. Die Mutter versucht es erst mit allen Hausmitteln, die sie kennt. Aber ihre Bemühungen bleiben erfolglos und sie sagt zu ihrem Mann:
„Das Fieber ist noch mehr gestiegen trotz der Medikamente, die ich verabreicht habe. Du musst den Doktor im Dorf holen, sonst wird unser Kind sterben. Es ist schon so schwach vom tagelangen Fieber.“
„Aber Frau“, sagt der Mann, „das ist unmöglich, die Wälder sind völlig zugeschneit. Du weißt wie sehr ich unsere Tochter liebe, aber da hinaus zu gehen ist der reinste Wahnsinn. Selbst wenn ich schaffen sollte bis zu Doktor zu kommen, wird er niemals mit dem Schlitten durchkommen. Wir müssen warten und das Beste hoffen.“
Frau: „Nein Mann, du musst es versuchen und wenigstens beim Doktor Medizin holen.“
Also sattelt der Mann sein Pferd, nimmt das Gewehr und macht sich auf, um zum Dorf auf der anderen Seite des Berges zu reiten. Aber kaum kommt er zum Waldrand, sinkt sein Pferd bis zum Bauch im Schnee ein. Der Mann steigt ab und bleibt ebenfalls stecken. Da zuckt er zusammen. Aus dem Wald schleicht ein Rudel Wölfe und umkreist ihn und sein Tier. Der Mann feuert ein paar Schüsse ab, um die Wölfe zu vertreiben. Er schafft es nur mit grösster Mühe mit seinem Pferd wieder zurück zum Hof zu kommen, während ihn die Raubtiere bis zur Türschwelle verfolgen. Nachdem er sein Pferd in den Stall zurückgebracht und versorgt hat, kommt er entmutigt ins Haus zurück:
„Liebes, es geht wirklich nicht. Ich habe es versucht, aber es ist unmöglich durch den Wald zu kommen. Zudem wird es schon dunkel.“
Die Frau weint und geht dann ins Zimmer, in dem das kranke Töchterchen liegt.
„Mama, warum weinst du?“ fragt es.
„Ach, Vater wollte Medizin beim Doktor holen, aber er hat es nicht geschafft, weil so viel Schnee liegt.“
„Weine nicht, Mama! Wenn ihr denkt, dass wir den Doktor brauchen, dann werde ich es dem Christkind sagen. Es kommt doch heute Abend, das hast du am Morgen selbst gesagt.“ „Ja schon Kindchen, das sagt man so, weil es Brauch ist. Es ist nicht mehr als eine Erinnerung an den Tag, als Christus auf die Erde gekommen ist.“
„Nein, ich weiss es genau, das Christkind wird selbst kommen, wenn ich darum bete.“
Die Mutter geht aus dem Zimmer und sagt zu ihrem Mann: „Das Kind fantasiert im Fieber.“ In der Küche bereitet sie das Weihnachtsessen vor und denkt dabei: Das wird das letzte Festmahl für unser Töchterchen sein.
Das Kind jedoch liegt mit hochroten Wangen im Bett und als die Eltern nach ihm schauen, sagt es: „Das Christkind war gerade hier. Es sieht aus wie ein kleiner Junge. Ich habe es sofort gefragt, ob es den Doktor herschicken könne und es hat mir versprochen, ihn zu holen.
 Die Eltern schauen sich an, schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Ist die Erscheinung etwa wahr oder ein Trugbild der Fantasie?
Fast zeitgleich ereignet sich etwas Sonderbares im Dorf, da wo der Doktor wohnt. Es herrscht weihnächtliche Stimmung im tief verschneiten Dorf. Überall sieht man Kerzenlicht und warme Stuben mit Menschen, die zusammengekommen sind, um zu feiern. Aus manchem Haus tönen die Lieder, dringt der Duft vom Weihnachtsbraten, riecht es nach wunderbarem Kuchen und Gebäck.
Nur der Doktor ist allein zu Hause. Er ist nicht verheiratet und wohnt in einem hübschen Haus zusammen mit seiner alten Haushälterin und einem Kutscher. Er ist immer viel beschäftigt, denn er kümmert sich gut um seine Patienten im Dorf und in der Umgebung. Im Sommer besucht er die Kranken mit der Kutsche, im Winter, wenn der Schnee nicht so hoch liegt wie jetzt, mit dem Schlitten. Der Doktor ist ein gefragter und beliebter Mann im Dorf und im ganzen Umkreis.
Er ist auch Apotheker und stellt Medikamente her. An diesem Weihnachtsabend nun sind seine Haushälterin und der Kutscher zu ihren Familien gegangen. Der Doktor bereitet in Ruhe seine Arzneien zu, mischt gerade eine Salbe, als es an die Tür klopft.
„Herein!“, ruft er, die Tür geht auf und ein kleiner Junge steht da. Er nimmt seine Mütze ab und grüsst freundlich. Sein Mantel ist voll Schnee und seine Wangen rot von der eisigen Kälte.
„Wer bist du denn, Kerlchen?“ fragt der Doktor, „Ich habe ich noch nie gesehen, und ich kenne doch eigentlich alle Kinder der Umgebung.“
„Ich bin nur zu Weihnachten hier, und man hat mich von der anderen Seite des Berges geschickt, weil man dort deine Hilfe braucht.“
„Du hältst mich sicher zum Narren, kleiner Schelm. Denkst du, ich weiss nicht, wie viel Schnee draussen liegt, und dass es unmöglich ist, durch den Wald bis hierher zu gelangen? Wie kommst du darauf, dass ich dir glaube, sie hätten einen so kleinen Jungen losgeschickt, um mich zu holen? Die Bären und Wölfe im Wald hätten dich doch sofort in Stücke gerissen.“
„Nein“, antwortet der Junge, „es ist kein Scherz, ich meine es ernst. Auf der anderen Seite des Berges ist meine kleine Schwester krank. Sie hat deine Hilfe dringend nötig. Und wenn du nicht kommst, wird sie bestimmt sterben.“
„Mein lieber Freund, selbst wenn du recht hast, könnte ich dir immer noch nicht helfen. Mein Kutscher ist bei seiner Familie, und um nichts in der Welt könnte ich ihn dazu bewegen, mitten in der Nacht durch den Wald zu fahren.“
„Aber das ist nicht nötig. Ich bin selbst mit dem Schlitten gekommen, um dich zu holen. Und du wirst auch wieder zurückgebracht. Mach dir darüber keine Sorgen.“
„Ja, aber“, ruft der Doktor verzweifelt, „unterwegs werden wir bestimmt von wilden Tieren überfallen. Dann bleibt nichts von uns übrig als unsere Stiefel und Mantelknöpfe. Es ist dir einmal gelungen, durchzukommen, und ich weiss, dass Gott die Kinder besonders beschützt. Aber das wird dir kein zweites Mal gelingen.“
„Aber weißt du denn nicht, dass Weihnachten ist, und dass in dieser Nacht die wilden Tiere im Wald niemandem Böses tun?“
„Du bist ein lieber Junge, und ich will dir auch gern helfen“, sagt der Doktor, „aber das ist doch nur eine schöne Legende, die sich die Menschen zu Weihnachten erzählen. Die Tiere wissen nämlich nicht, was im Kalender steht. Wie gern ich deinem Schwesterchen auch helfen würde, es geht wirklich nicht, und ich darf dich jetzt auch nicht nach Hause zurück gehen lassen und dich der Gefahr aussetzen.“
Der Junge blickt den Doktor lange und ernst an. Dann fragt er: „Hast du Angst?“
„Ja.“
„Und hast du kein Gottvertrauen?“
Still denkt der Doktor nach und sagt dann: „Du hast recht! Es wird geschehen, wie Gott es will. Wenn du darauf vertraust, dass es geht, denn werde ich dein Vertrauen nicht enttäuschen. Warte, ich hole meine Tasche und mein Gewehr, dann können wir uns auf den Weg machen. Ich hoffe, du hast ein starkes Pferd.“
Junge: „Oh, du wirst es gleich sehen. Und was das Gewehr betrifft, das kannst du ruhig zu Hause lassen, denn wir werden es nicht brauchen.“
Aber der Doktor denkt bei sich: Ich werde es doch lieber zur Sicherheit mitnehmen. Er sucht seine Instrumente zusammen und steckt sie zu den Medikamenten in die Tasche. Danach zieht er seinen Mantel an und hängt sich die Doppelflinte über die Schulter. „So, jetzt können wir gehen!“
Sie kommen aus dem Haus und da steht tatsächlich ein Schlitten mit einer Laterne dran. Doch dann reisst der Doktor die Augen auf: „Ein Elch als Zugpferd!! Das ist ja ganz besonders.“
„Es ist das beste Tier, das man sich bei diesem Wetter wünschen kann“, sagt der Junge. Dann hilft er dem Doktor beim Einsteigen in den Schlitten und deckt ihn mit einer warmen Decke zu. Er selber setzt sich auf den Bock und schnalzt mit der Zunge. Sofort setzt sich das Tier mit grossen Schritten in Bewegung und zieht den Schlitten wie eine Feder hinter sich her.
Im Handumdrehen sind sie aus dem Dorf heraus. Der Doktor schaut sich um und sieht rund um sich herum die Augen der Wölfe aufglimmen. Als er nach seinem Gewehr greifen will, dreht sich der Junge um:
„Lass das Gewehr. Du weisst nicht, wie man mit Tieren umgehen muss.“
Da gehorcht der Doktor und denkt: Dieses Kind weiss mehr als ich. Er lauscht dem Knirschen des Schnees unter den Hufen des Elchs und hört wie der Junge den Tieren etwas zuruft. Das Verrückte ist, dass die Wölfe anfangen wie zahme Hunde hinter dem Schlitten zu laufen, manche sogar vorne, als wollten sie den Schnee feststampfen. Der Elch kümmert sich überhaupt nicht um die Wölfe und läuft mit sicherem Schritt vorwärts. Als sie in den Wald kommen, kann der Elch nicht mehr so schnell laufen. Trotzdem bleibt der Schlitten nie stecken. Lange vor Mitternacht kommen sie zu dem einsamen Bauernhof hinter dem Berg und der Junge zeigt darauf:
„Hierher müssen wir! Geh nur schnell hinein zu meiner kranken Schwester!“
Er hilft dem Doktor aus dem Schlitten. Der nimmt seine Tasche und klopft an die Tür. Da staunen die Bauern, als sie ihn hereinkommen sehen.
„Wie seid ihr, um Himmels Willen, hierher gekommen? Woher habt ihr gewusst, dass unsere Tochter krank ist?“
„Natürlich weiss ich das! Ihr habt doch euren Sohn zu mir geschickt“, meint der Doktor, „und ich muss sagen, ihr habt schon ein Gottvertrauen, das Kind so allein durch den Wald fahren zu lassen. Ihr habt da wirklich einen sehr tüchtigen Sohn.“
„Was? Wie? Entschuldigt, aber das muss ein Missverständnis sein“, sagt der Bauer, „wir haben keinen Sohn. Das Mädchen ist unser einziges Kind.“
„Was für ein Schlingel! Zu mir sagte der Junge, er würde mich zu seiner kranken Schwester bringen. Aber jetzt muss euch auch noch fragen: Wie habt ihr es geschafft, den Elch so abzurichten, dass er den Schlitten zieht?“
Bauer: „Ein Elch? Was für ein Elch? Jetzt bin ich ganz durcheinander.“
Doktor: „Dann kommt mal mit. Vor dem Haus steht er.“
Sie gehen aus dem Haus. Aber von dem Jungen ist keine Spur mehr zu sehen.
Bauer: „Tatsächlich! Ein Elch! Dieses seltsame Tier gehört mir nicht und auch niemandem sonst hier in der Gegend. Oder wollt ihr mich zu Narren halten?“
Doktor: „Darüber reden wir später. Bringt mich zuerst zu der Kranken.“
Als sie in das Zimmer des Mädchens kommen, sitzt es aufrecht im Bett, die Mutter daneben und es sagt:
„Mama, gerade eben war das Christkind wieder hier. Es erzählte, dass der Doktor schon da ist und dass ich bald wieder gesund werde. Ich soll dem Doktor sagen, dass das Christkind keine Zeit mehr hat, ihn nach Hause zu bringen, aber dass der Elch den Weg auch allein findet und der Doktor keine Angst zu haben braucht.“
Der Vater, die Mutter und der Doktor blicken sich an.
Der Doktor sagt: „Das ist allerdings eine eigenartige Geschichte.“
„Das kommt vom Fieber!“, meinen die Eltern.
Doktor: „Nein, dies ist etwas anderes. (Zum Mädchen) „Mach dir keine Sorgen, Kleines. Wenn du solchen Besuch gehabt hast, wirst du bald wieder gesund werden.“
Er gibt dem Kind von seinen Medikamenten, lässt die Bäuerin noch frischen Tee für das Mädchen bringen und geht dann hinaus. Mit den Eltern sitzt er im Wohnzimmer zusammen und sie unterhalten sich noch eine Weile. Dann gehen alle schlafen.
Am nächsten Morgen schaut der Doktor als erstes nach dem Mädchen. Das Fieber ist vollkommen verschwunden und dem Kind geht es viel besser. So kann der Doktor auch an seine Rückreise denken. „Ich bin neugierig, wie die Reise diesmal verlaufen wird“, denkt er. Obwohl die Sonne erst aufgegangen ist, ist es schon später Vormittag, als der Doktor mit dem Bauern aus dem Haus kommt.
„Es ist tatsächlich ein Elch!“, ruft der Bauern, „gestern dachte ich noch, es sei ein gewöhnliches Rentier.“
Sie nehmen Abschied voneinander. Der Doktor steigt in den Schlitten und kaum hat er sich gesetzt und in die Decke gewickelt, da beginnt der Elch zu ziehen und läuft Richtung Wald. So allein fühlt sich der Doktor nicht allzu wohl. Er würde viel drum gegeben, wenn der Junge wieder bei ihm wäre. Die Wölfe tauchen auch bald auf und reflexartig greift der Doktor zu seinem Gewehr. Aber da schüttelt der Elch seinen Kopf, dreht ihn in seine Richtung und der Doktor meint ihn sagen zu hören: „Lass das, sie tun dir nichts.“
Wieder laufen die Wölfe um den Schlitten, manche hinten, andere vorn und der Anführer des Rudels grummelt: „Wir begleiten ihn. Das ist der Mann, den heute Nacht das himmlische Kind hierhergebracht hat.“
Auch ein Bär taucht aus dem Wald auf und läuft friedlich mit dem Schlitten mit. Bei einer Steigung kommt der Schlitten aus dem Gleichgewicht und will umkippen, aber der Bär macht einen Satz und fängt ihn gerade rechtzeitig auf. Der Doktor rutscht auf seinem Sitz auf eine Seite und an das Fell des Bären. Es ist ihm als frage der Bär: „Hast du dir wehgetan?“
„Nein, überhaupt nicht“, murmelt der Doktor erstaunt.
Am Waldrand bleiben die Tiere zurück und schauen dem Schlitten nach. Der Elch bringt den Doktor bis vor seine Haustür. Er nickt ihm zum Abschied noch einmal zu und geht wieder fort. Niemand weiss wohin.
„Seit dieser Zeit ist unser Doktor etwas eigenartig“, sagen die Leute der Gegend. Er spricht oft mit Tieren und sie wissen nicht so recht, was an der Geschichte wahr ist, die sie von ihm gehört haben. Natürlich wären sie auch gern dabei gewesen, als der Doktor im Wald mit den wilden Tieren sprach. Tatsache ist jedoch und das kann niemand leugnen: Seit diesem Ereignis besucht der Doktor auch im Winter überall die Kranken der Gegend.

 Geschichte aus Schweden

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